Besonders für Frauen kann es eine Herausforderung sein, Grenzen zu setzen, weil wir niemandem ein schlechtes Gefühl vermitteln wollen. Doch um unserem eigenen Weg treu bleiben zu können, dürfen wir diese Konflikte nicht vermeiden. Folge meiner Mini-Anleitung, wenn Du Grenzen setzen möchtest, ohne Familienmitgliedern und Kunden unnötig auf die Füße zu treten.

Diejenige, die in unserer Familie am besten Grenzen setzen kann ist unsere kleine Tochter

Eine der anschaulichsten Lektionen zum Thema „Grenzen setzen“ konnte ich kürzlich an meiner 5jährigen Tochter Maga beobachten.

Sie hatte Besuch von ihrer besten Freundin Paolina und das Zusammenspiel der beiden schwankte zwischen totaler Harmonie und heftigen Streitereien hin und her. Es war einer dieser verflixten Spiel-Nachmittage, an denen der nette Kinderbesuch partout nicht zur erhofften Pause für Mama führt.

Plötzlich schubste Paolina Maga vom Sofa, so dass Maga sich den Kopf am Couchtisch anschlug. Wutentbrannt erhob sich Maga vom Boden und stürzte sich auf ihre Freundin – begleitet von einem bedrohlichen Amazonen-Schrei, den sie aus den tiefsten Tiefen ihrer Seele erzeugte. „AAAAHHHHHHH! Du gehst jetzt nach Hause! Jetzt sofort!!!!!“

Ich konnte Paolina gerade noch vor einem Hagel aus Mini-Fäusten bewahren und kurz nach diesem Ausbruch war auch alles schon wieder gut.

Doch in mir wirkte diese Situation noch lange nach, so berührt war ich.

Kinder können so verdammt konsequent, kraftvoll und frei „Stopp!“ sagen. Sie scheren sich nicht um die Konsequenzen und sie folgen ihrem inneren Gerechtigkeitsempfinden ungebremst.

 

Wenn wir diese kindliche Freiheit mit der Eleganz eines reflektierten Erwachsenen verbinden, haben wir den Code zum erfolgreichen Grenzen setzen geknackt!

3 Schritte, die Dich anmutig und effektiv Deinen Standpunkt vertreten lassen

 1. Schritt: Du kannst nur Grenzen setzen, wenn Du Deine Grenzen kennst

Es gehört eine Menge Achtsamkeit dazu, die eigenen Grenzen bewusst wahrzunehmen und zu verteidigen. Vor allem, wenn man beeinflusst ist von typisch weiblichen Gedanken wie „Habe ich überhaupt das Recht dazu?“ oder „Vielleicht sehe ich das alles viel zu ernst…“

Wirklich weiter gebracht hat mich an diesem Punkt ein über 70-jähriger Unternehmensberater und Business Angel, der sein halbes Leben lang internationale Konzerne geleitet hat. Als ich vor einigen Jahren einen Turnaround in der Firmengruppe meines Mannes erzeugen musste, gab er mir den besten Ratschlag:

„Frau Heim, hören Sie auf Ihr Störgefühl.“

Durch diesen Freibrief, meiner Intuition auch in Firmenangelegenheiten folgen zu dürfen, konnte ich glasklare Einsichten gewinnen. Und alle haben sich bei näherer Überprüfung bestätigt. Mein Störgefühl vermittelte mir, welchen Mitarbeitern ich vertrauen konnte, wo Integrität fehlte, welche Arbeitsprozesse lückenhaft waren, etc.

Coach-Training:

Das Störgefühl ist die innere Stimme, die sagt: „Hier stimmt was nicht.“

Trainiere Dich darin, Dein Störgefühl ernst zu nehmen und es einfach stehen zu lassen. Du musst gar nichts tun oder verändern. Einfach nur zuhören, ohne dieses innere Wissen mit Gegenargumenten abzuschwächen.

2. Schritt: Du kannst Deine Grenzen kommunizieren, bevor sie überschritten werden

Ein weiterer Durchbruch für mich war die Erkenntnis, dass Grenzen setzen nicht heißt, dass ich unwirsch reagieren oder empört aus der Haut fahren muss. Ich kann meinen Standpunkt so vertreten, wie ich am liebsten kommuniziere – klar und freundlich.

Das funktioniert am besten, wenn ich meine Bedürfnisse oder Erwartungen bereits mitteile, bevor es zu Schwierigkeiten kommt.

In der Kommunikation mit meinem Mann bedeutet das, dass ich mich zum Beispiel Sonntags abends mit ihm hinsetze und sage: „Ich möchte nächste Woche gerne 20 Stunden für Mama Revolution arbeiten. Wie können wir das organisieren?“

Oder in der Zusammenarbeit mit meinen Klientinnen heißt das, dass wir eine Coaching Vereinbarung abschließen.

Da steht beispielsweise drin, dass Sitzungen bis zu 24 Stunden im Voraus verschoben werden können und dass nach dieser Frist die Sitzung verfällt. So stelle ich sicher, dass wir gegenseitig unsere Zeit und unsere Grenzen respektieren.

Coach-Training:

Gehe in Gedanken Deine nächste Woche durch. Denke an die Begegnungen mit Kunden, Klienten, Freunden und Familienmitgliedern.

Wo antizipierst Du potenzielle Konflikte? Wo meldet sich Dein Störgefühl? Was könntest Du im Vorfeld tun, um mögliche Grenzüberschreitungen elegant zu vermeiden.

3. Schritt: Du kannst lernen, die Konsequenzen einfach auszuhalten

Was mich früher, (und manchmal auch noch heute) davon abgehalten hat, meine Grenzen klar auszudrücken, war die Angst vor der Reaktion meines Gegenübers.

Eine Bekannte von mir hat das mal als den Wunsch nach „harmonischer Symbiose“ bezeichnet. Wenn man im Aufrechthalten einer harmonischen Symbiose die eigene Integrität aufgibt hat man jedoch nichts gewonnen.

Deswegen trainiere ich mich gerade selbst darin, meinen authentischen Standpunkt auch dann zu vertreten, wenn das anderen gar nicht in den Kram passt.

Vor einigen Wochen zum Beispiel hatten wir Bauarbeiter im Hof, die einen kleinen Hang an unserem Haus durch eine neue Mauer abstützen sollten. Dabei kam wunderschöner Fels zum Vorschein und die Bauarbeiter machten sich sofort daran, ihn abzuschlagen.

Das fühlte sich für mich überhaupt nicht stimmig an und ich brachte es wirklich fertig, die ganzen Arbeiten für zwei Tage zu stoppen. Nach eingehender Überprüfung kam am Schluss heraus, dass der Fels tatsächlich ein Stück weit weg musste.

Ich hatte den ganzen Wirbel umsonst verursacht, aber trotzdem war ich stolz auf mich. Weil ich es einfach ausgehalten habe, dass die Bauarbeiter in mir eine fürchterliche Nervensäge sahen, bis ich mein Störgefühl durch Überprüfung loslassen konnte.

Coach-Training:

Suche Dir einen Punkt in Deinem Leben aus, der sich für Dich gerade nicht stimmig anfühlt und teile Deinen authentischen Standpunkt der betreffenden Person mit.

Bleib freundlich und kommuniziere ohne Vorwurf. Sollte Dein Gegenüber emotional reagieren, dann halte es einfach aus.

Wenn es sich bei Deinem Gegenüber beispielsweise um Deinen Mann handelt, dann kannst Du ihn sogar anlächeln und umarmen, während Du weiterhin fest Deinen Standpunkt vertrittst.

Vielleicht werdet ihr nicht sofort eine Lösung finden, aber Du wirst lernen, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn zwei Menschen zwei verschiedene Meinungen haben.

 

Wie schaffst Du es Grenzen zu setzen? Konnte ich Dir mit meiner Mini-Anleitung weiterhelfen? Die anderen Mamas und ich freuen uns riesig über Deine Impulse und Gedanken in den Kommentaren! 🙂

 

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